Günther Helm über die Bilder

Fragt man Günther Helm nach dem Anstoß für seine Malerei, gibt er sich sehr bald und immer wieder als Mahner und Warner vor der Zerstörung der Schöpfung und als verzweifelnder Umweltschützer zu erkennen, der er während seines Berufs­lebens auch „von Amts wegen“ war: Sein Grundthema ist unsere allseits bedrohte Erde, sind die „Triebkräfte der Natur“ (so der Titel einer seiner früheren Aus­stellungen), denen er nicht erst seit seinem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg mit zunehmender Inten­sität und wachsender Abstraktion in seinen Ölbildern nachspürte.

Ging es ihm anfangs vor allem um das Sichtbarmachen verborgener, innerer Welten, um Mikrokosmen, meist in harmonisierenden erdigen Farben und an der Formensprache der Natur orientiert, wuchsen mit dem Grad der Abstraktion auch die Bildformate. Dazu änderte sich die Farbpalette: sie wurde greller, aggressiver, Malduktus und Kontrastierung heftiger, wie auch er selbst lauter und kompromissloser sein Hauptanliegen vorbrachte: Als ein Entdecker einer oft fast unberührten Natur fand er auf seinen Weltreisen zunächst das Einmalige,, Wunderbare, das Zusammenspiel aller Dinge im Einklang mit der Schöpfung und erst auf den zweiten Blick auch deren tödliche Gefährdung und Verfall, leichtfertige oder gar mutwillige Zerstörung, die er in immer neuen und überraschenden Variationen beklagt und beschwört. Er malt sie sich gleichsam „von der Seele“ in der entlarvenden und – vergeblichen – Hoffnung, sie durch ihre Materialisierung bannen und damit unschädlich machen zu können. Die finsteren Mächte, die es zu neutralisieren gilt, sind für Günther Helm Wachstum, Gier, Egoismus, Gleichgültigkeit und Illusionismus. Seiner schier unerschöpflichen Arbeitswut wurden allerdings durch die spezifischen Bedingungen der Ölfarbmalerei bis dato Grenzen gesetzt.

Eine wesentliche Beschränkung seiner Produktivität konnte Günther Helm inzwischen überwinden, seit er sich der Acrylmalerei zuwandte. Diese verlangt weniger Planung und Disziplin, bedarf keines längeren Trocknungsprozesses, erlaubt ein spontaneres, expressives Arbeiten, aquarellhaft lasierende Farbaufträge, regt zur Experimentierfreude an, erleichtert die Realisierung von Farbmodulationen innerhalb der Fläche und ist damit Auslöser für die immer raschere Folge seiner Arbeiten und die Steigerung von deren Format.

So ist in den letzten Jahren ein umfangreiches Oeuvre großformatiger Bilder entstanden, in welchen sich aus der Abstraktion heraus teils assoziativer, teils ganz konkret immer öfter auch Figürliches zeigt: Der Mensch kristallisiert sich aus der Materie heraus und fällt in sie zurück, wird als Teil der Schöpfung zitiert, doch mit allem Nachdruck auch auf seine Abhängigkeit von ihr verwiesen. In solchen Bildern schlägt Günther Helm den Bogen zum Beginn seines künstlerischen Werdegangs, zu seinen Wurzeln im Surrealismus, der seiner Phantasie und Kreativität die Richtung wies.  Leslie Leunzinger